Rufe in die Untersuchungshaft

Wer abends als Fremder durch den Hamburger Park „Planten un Blomen“ läuft, der wundert sich. An einer sehr hohen Mauer mit sehr viel Stacheldraht obendrauf stehen – meist – Frauen und rufen laut hinüber. Der Park grenzt an die Untersuchungshaftanstalt im Holstenglacis und zahlreiche Angehörige versuchen, Kontakt zu „ihren“ Untersuchungshäftlingen aufzunehmen. Die Zeit berichtet über verzweifelte Angehörige und Jugendliche, die sich einen Spaß aus der Kontaktaufnahme mit Gefangenen machen.

Abends, wenn die Springbrunnen abgeschaltet werden, steht Yvonne von der Bank in Planten un Blomen auf, läuft zum gemauerten Sichtschutz am Rande des Parks und verschwindet dahinter. Vor einer viel höheren Wand schaut sie sich nach links und rechts um, um sich zu vergewissern, dass sie kein Wachpersonal beobachtet. Dann pfeift sie. Über Stacheldraht hinweg blickt Yvonne auf die Fassade der Untersuchungshaftanstalt. Dort, hinter einem der vergitterten Fenster, in denen Licht brennt, sitzt ihr Verlobter. Seit vier Monaten.

(Quelle: www.zeit.de)

Die Kontaktaufnahme zu den Untersuchungshäftlingen ist eine Ordnungswidrigkeit, es droht eine Geldbuße. Wer als Untersuchungsgefangener erwischt wird, dem drohen ebenfalls Konsequenzen. Ein Umzug in de Keller der ohnehin nicht besonders gastlichen Untersuchungshaftanstalt steht dann zu befürchten.

„Jeder kenne die Regeln, aber die Sehnsucht sei stärker. Während der Untersuchungshaft dürfen Insassen in der Regel alle 14 Tage Besuch empfangen. Viel zu wenig, findet Yvonne. Wenn die Männer verurteilt und in den geschlossenen Vollzug gebracht werden, sitzen viele hinter Mauern, über die hinweg sie sich nicht so einfach unterhalten können, wie hier in der Innenstadt. Wer dann kein Besuchsrecht hat, sieht seine Angehörigen für lange Zeit nicht mehr.“

(Quelle:www.zeit.de)

Die rufenden Angehörigen gibt es schon immer. Seit einiger Zeit ist „Mauerrufen“ aber auch ein ziemlich schräger Hobby für Jugendliche:

„Neu ist heute aber, dass sich unter die besorgten Angehörigen immer häufiger Jugendliche mischen, für die das Ganze ein makaberer Freizeitspaß zu sein scheint. Nicht selten erfahren sie über soziale Netzwerke von Verhaftungen und fahren zum Innenstadtgefängnis, um Kontakt zu den Insassen aufzunehmen — auch wenn sie diese gar nicht wirklich kennen.“

(Quelle: www.zeit.de)

HaftMandanten in Untersuchungshaft besuche ich nach Möglichkeit einmal in der Woche, wenn es auch nur für eine Viertelstunde ist. Die Atmosphäre dort ist trostlos, Besuch von Angehörigen gibt es selten und die Zeit wird jedem , der einsitzt, lang. Zwischen 2008 und 2012 gab es 14 Selbstmorde in der UHA.

Wenn ich wieder Tageslicht sehe, bin ich sehr froh. Nicht mal die sehr freundliche Begrüßung („Frau Braun! Die Sonne geht auf!!“ mancher Wachtmeister ändert das.

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